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Offene Jugendarbeit

Offene Jugendarbeit - Jugendcafé

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Jugendcafé Greifswald: Baderstraße 11 | 17489 Greifswald

 

Offene Jugendarbeit in der Baderstraße | Greifswald

Pädagogisches Gesamtkonzept, Angebote und Zukunftsplanungen

Die Ausgangslage

Der VSP Greifswald betreibt seit 1992 eine Jugendhilfestation, die Hilfen zur Erziehung durchführt. Die theoretischen und konzeptionellen Grundannahmen der Jugendhilfestation, die realisierten Angebote und die Arbeitsweise der PädagogInnen sind seit längerem bekannt und haben die Aufmerksamkeit der jugendpolitischen Fachöffentlichkeit in der ganzen Bundesrepublik gefunden. Dies wurde nicht zuletzt durch den Deutschen Jugendhilfepreis - Hermine-Albers-Preis deutlich, den die Jugendhilfestation für ihren innovativen Ansatz im Jahre 1994 erhielt.

Mit den Angeboten der offenen Jugendarbeit realisiert der VSP einen integrativen Ansatz, der Adressaten von Hilfen zur Erziehung ebenso anspricht, wie Jugendliche aus Nachbarschaft und umgebenden Milieus. Pädagogisches Hauptziel dieser Angebote ist es, Orte der Begegnung und für aktives Tun zur Verfügung zu stellen, in denen durch Übernahme von Verantwortung soziales Regellernen und persönliche Entwicklung unterstützt werden.

Seit Anfang des Jahres 1998 realisiert der VSP nun einen zweiten, eher präventiv ausgerichteten und in noch stärkerem Maße auf das Gemeinwesen bezogenen Arbeitsbereich, der über die Einzelfallorientierung der Hilfen zur Erziehung hinausgreift, nämlich die offene und vernetzende Jugendarbeit. Welche Ideen beim Aufbau dieses Projekts für uns handlungsleitend waren und welche Angebote der VSP realisieren wird, soll auf den folgenden Seiten erstmals zusammenhängend dargestellt werden.

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Das Jugendcafé in Greifswald

Die Grundidee

Mit dem speziellen Ansatz der offenen Jugendarbeit, wie der VSP ihn realisiert, wird wiederum ein innovativer Grundgedanken verfolgt, nämlich der Gedanken der Integration und Vernetzung: Der VSP verknüpft nämlich konzeptionell und räumlich die offene Jugendarbeit mit der Schulsozialarbeit und den Hilfen zur Erziehung und setzt von vornherein auf institutionelle Vernetzung im Sozialraum. Der VSP wird die Angebote der offenen Jugendarbeit durchgängig in Kooperation mit anderen Organisationen, wie Schulen, Vereinen und anderen freien Trägern oder Initiativen durchführen und vorrangig solche Angebote realisieren, die zu einer entsprechenden Kooperation einladen.

Durch diesen auf Kooperation und Vernetzung abstellenden Ansatz umgeht der VSP eine spezifische Schwierigkeit “traditioneller” Konzepte offener Jugendarbeit, denen stets die Tendenz innewohnt, “problembehaftete” Jugendliche auszugrenzen und sie auf die einzelfallorientierten Hilfen zur Erziehung zu verweisen.

Gleichwohl versucht der VSP, der bisher in Greifswald nur Hilfen zur Erziehung durchführte, mit seiner offenen Jugendarbeit eine andere Zielgruppe zu erreichen, nämlich Jugendliche aus der Nachbarschaft und den benachbarten Schulen, die sich nicht durch besonderen Hilfebedarf auszeichnen, wohl aber Unterstützung bei der Gestaltung ihrer Freizeit wünschen und Anregungen zur sozialen Entwicklung benötigen.

Die offene Jugendarbeit mit den Hilfen zur Erziehung zu verknüpfen, ist inhaltlich aus mehreren Gründen naheliegend: Für die Hilfen zur Erziehung ist diese Verknüpfung von Vorteil, weil sie dadurch noch “eingriffsflacher”, d.h. lebensweltnäher, gestaltet werden können, die Integration im“normalen” Lebensumfeld gestärkt anstatt künstlich abgebrochen wird. Dies ist für den nachhaltigen Erfolg von sozialpädagogischer Unterstützung hilfreich.

Doch nicht nur für die Klienten der Hilfen zur Erziehung ist die Verknüpfung erfolgversprechend. Auch für die sonstigen Adressaten der offenen Jugendarbeit, alle Jugendlichen aus der Nachbarschaft, ist sie gewinnträchtig, denn auf diese Weise erhalten sie im Vorfeld aufkeimender Schwierigkeiten niedrigschwellig Zugang zu besonders geschulten und qualifizierten Professionellen, die ihnen mit individueller Hilfestellung, Rat und Unterstützung zur Verfügung stehen.

Die enge Kooperation offener Jugendarbeit mit Schulen und den Angeboten der Schulsozialarbeit ist geboten, da die Schule zwar einerseits vor der Aufgabe steht, sich der umgebenden Umwelt gegenüber zu öffnen, deren Impulse zu integrieren, andererseits aber durch reglementierte Curricula und zeitliche Bedingungen wie auch begrenzte materielle Ressourcen gerade in dieser Hinsicht behindert ist. Gemeinschaftliche Projekte mit Kooperationspartnern außerhalb der Schule können bei dieser Öffnung helfen, zumal knappe Ressourcen effektiver genutzt werden können.

In der Kooperation von Schule und Jugendhilfe kann die gemeinsame Aufgabenstellung, nämlich die Förderung sozialer Kompetenz, einer Erziehung zu Toleranz und Rücksichtnahme, praxisnahe in Angriff genommen werden, ohne daß sie Aspekten der Leistungsbewertung untergeordnet werden muß.

Neben der Kooperation im Stadtteil und der Zusammenarbeit mit den umgebenden Schulen nimmt der VSP einen weiteren konzeptionellen Schwerpunkt ins Blickfeld, nämlich mädchenspezifische Angebote. Dies ist notwendig und erwünscht, da verschiedene Untersuchungen zeigen, daß ohne eine spezifische Ausrichtung auf die Zielgruppe Mädchen, diese in offenen Angeboten von männlichen Jugendlichen in eine Aussenseiterposition gedrängt werden. Dies gilt in besonderem Maße für die Stadt Greifswald, in der - nach unserem Wissen - kaum Projekte und Ressourcen für Mädchen “reserviert” sind. Wir sind dabei der Überzeugung, daß sowohl mädchenspezifische Angebote vorgehalten werden sollen, als auch andere Angebote an festen Tagen allein Mädchen vorbehalten bleiben sollen.

Fassen wir zusammen, Integration von Hilfen zur Erziehung mit offenen Angeboten, Vernetzung im Stadtteil, institutionalisierte Kooperation mit Schulen des Umfelds und spezifische Hinwendung auf die Zielgruppe “Mädchen” bilden die konzeptionellen Grundpfeiler für die offene Jugendarbeit des VSP in der Baderstraße.

Im folgenden wollen wir die bereits realisierten und sich in Planung befindenden Angebote kurz beschreiben. Im einzelnen handelt es sich um:

  • ein Jugendcafé in der Baderstraße
  • einen Internet-Club
  • Kurse in Stepptanz, darstellendem Spiel, Pantomime und Schwarzem Theater
  • eine Werkstatt
  • erlebnispädagogisch ausgerichtete Angebote auf einem Freigelände neben dem Haus Baderstraße (Kletterwand, Beach-Volleyball)
  • sonstige Projekte wie Straßenfeste, Wochenendfreizeiten oder Ferienfahrten

Im Anschluß an die Kurzdarstellungen der Teilprojekte wollen wir den Bedarf an Personal und Finanzen umreißen sowie erläutern, wie wir uns vorstellen, die angestrebten Aufgaben in personaler und sächlicher Hinsicht zu realisieren.

Die Angebote

Das Jugendcafé

Im vorderen Teil des Hauses in der Baderstraße befindet sich ein Café, das die zentrale Anlaufstelle für alle InteressentInnen der offenen Jugendarbeit bildet. Es ist an vier Tagen in der Woche zwischen 16 und 21 Uhr geöffnet, wobei ein Tag (der Donnerstag) allein den Mädchen vorbehalten ist.

Das Café wird gemeinschaftlich von den MitarbeiterInnen des VSP und BewohnerInnen des Betreuten Wohnens in der Baderstraße betrieben. Mit diesem Ansatz versuchen wir, verantwortliches Verhalten und Gemeinschaftssinn als Erziehungsziele im Betreuten Wohnen anzusteuern.

Serviert werden im Café alkoholfreie kalte und warme Getränke. Es stehen verschieden Brettspiele, ein Spielecomputer und ein Fernsehapparat zur Verfügung. Bei gutem Wetter kann der Innenhof als Cafégarten genutzt werden.

Neben den Möglichkeiten des Cafés als offenen Treffpunkt gibt es jeweils an einem Tag pro Woche einen thematischen Block, der mit Kooperationspartnern gestaltet wird. Themen sind z.B.

  • Drogen in Greifswald
  • Probleme mit Polizei und Jugendgericht
  • Freundschaft, Liebe, Sex und die Folgen
  • Kartenspiele
  • etc.

Der Internet-Club

Ein besonders attraktives Angebot der offenen Jugendarbeit des VSP stellt der Internet-Club dar. Im Internet-Club stehen drei Computer zur Verfügung, die untereinander vernetzt sind und über eine Standleitung alle Möglichkeiten des Internets ansteuern können.

Die Entscheidung, ein Internet-Café im Rahmen der offenen Jugendarbeit zu betreiben, ist pädagogisch begründet. Die Beherrschung des Internets wird nicht erst mittel- oder langfristig zu einer Schlüsselqualifikation für Jugendliche, die in das Berufsleben eintreten wollen, sondern bereits kurzfristig. Mit der Fähigkeit, sich im Internet bewegen zu können, steht jungen Menschen ein Qualifikationsmerkmal zur Verfügung, das ihnen - erstmalig - einen Vorteil gegenüber der ansonsten allmächtigen Berufserfahrung der älteren Generation in die Hand gibt.

Daher ist diese Qualifikation möglichst umfangreich auszubauen, damit sich tatsächlich ein auf dem Arbeitsmarkt wirksamer Vorteil ergibt. Wie wichtig die Beherrschung des Internets ist, wird u.a. daran deutlich, daß das Bildungsprogramm der US-Regierung vorsieht, bis zum Jahr 2000 jeden Jugendlichen in den USA zu befähigen, Recherchen im Internet vorzunehmen und Informationen des Netzes in eigene Dateien zu übertragen

Im Internet-Club, dem alle Nutzer der Baderstraße zwischen 14 und 26 Jahren gegen eine geringe Mitgliedsgebühr beitreten können, erhalten die Mitglieder nicht nur eine qualifizierte Einführung, sondern auch eine dauerhafte Begleitung und Beratung. Sie wird nicht nur über einen speziellen Mitarbeiter des VSP sichergestellt, sondern auch durch eine Vielzahl ehrenamtlicher Helfer, insbesondere Lehrern und fortgeschrittenen Internetexperten aus dem Kreise der Schüler benachbarter Schulen.

Die Kooperation mit den Schulen im Rahmen des Internet-Clubs hat eine zweifache Zielsetzung. Einerseits wird damit Schülern ermöglicht, ihre an der Schule angefangenen Projekte (z.B. Recherche für Hausaufgaben, Bearbeitung der Schülerzeitung, Erstellung von Web-Sites u.ä.) auch außerhalb der Schulzeit fortzuführen. Andererseits übernehmen die in das Projekt eingebundenen LehrerInnen die Aufgabe, auch solche Jugendlichen, die im Rahmen der Schule nicht die Möglichkeiten der Internet-Arbeit kennen und nutzen lernen, an diese Schlüsselqualifikation heranzuführen. Eine dritte Bedeutung kommt der Einbindung von Schülern als “Lehrkräfte” zu.

Im Rahmen des Internet-Clubs können auch andere Möglichkeiten der Computerarbeit genutzt, ausprobiert und gelernt werden. Insbesondere denken wir an elektronische Bild- oder Tonbearbeitung, Stimulationen, und Textverarbeitung. Auch hier bietet sich die Möglichkeit zur Kooperation mit Schulen an, die z.B. im Rahmen von Projektunterricht auf die technischen Ressourcen des Internet-Clubs zurückgreifen können.

Indem nach entsprechendem Training ein Schwerpunkt auf die Erstellung von Web-Sites gelegt wird, kann ein günstiges Dienstleistungsangebot für andere soziale Projekte oder kleinere Kunden aus Greifswald vorgehalten werden.

Der Internet-Club ist an vier Tagen in der Woche geöffnet, wobei - wie auch beim Café - ein Tag exclusiv für Mädchen vorbehalten ist. Damit tragen wir dem Umstand Rechnung, daß Mädchen nur dann ihre eigene Qualifikation am Computer erwerben, wenn sie nicht durch Konkurrenz mit - scheinbar - schnelleren männlichen Jugendlichen davon abgehalten werden.

Mädchenprojekt: Stepp- und breackdance, darstellendes Spiel und Pantomime

Mit diesem kreativen Angebot wenden wir uns an zwei Tagen in der Woche zunächst nur an Mädchen. Es steht ab September 1998 ein großer Raum zur Verfügung, in dem kreative und körperbezogene Ausdrucksmöglichkeiten eingeübt und erweitert werden können. Wir verstehen unser Angebot dabei nicht in erster Linie als ein sportliches oder künstlerisches, sondern vielmehr als ein persönlichkeitsbildendes. Weniger die von außen sichtbare Leistung steht im Vordergrund, als vielmehr das innere Erleben und die Erweiterung der Handlungskompetenz. Dieses Projekt wird in Kooperation mit Schulen und andren Jugendprojekten in Greifswald realisiert.

Wir wissen, daß die kreativen Angebote für Mädchen nur dann längerfristig funktionieren, wenn sie auch über das Tanzen und Theaterspielen hinausgreifen und z.B. in andere Formen der Freizeitgestaltung einmünden können. In diesem Sinne sehen wir unser Angebot als Eröffnung, über Veränderung der Schwerpunkte und Methoden freuen wir uns. Allerdings werden wir immer wieder neu mit Tanz und Theater beginnen, damit auch jeweils neue Mädchen in die offene Jugendarbeit eingebunden werden können.

Es ist daran gedacht, mit den TeilnehmerInnen der Tanz- und Theatergruppe auch die Möglichkeiten des Computer-Clubs zu nutzen, indem beispielsweise geeignete Musikstücke zusammengeschnitten und aufbereitet werden. Falls es zu öffentlichen Aufführungen kommen wird, können auch Programme und Werbematerialien erstellt werden. Durch diese Verzahnung können auch Mädchen eingebunden werden, die selbst ein nur gering ausgeprägtes Interesse oder Zutrauen an kreativer Ausdrucksarbeit haben.

Die Werkstatt

In den hinteren Räumen des Hauses in der Baderstraße wird eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der v.a. Holz-, Metall- und Kunststoffarbeiten erledigt werden können. Im einzelnen denken wir an die Herstellung von Lautsprechern, die Reparatur von Fahrrädern bzw. Mofas u.ä.

Ein besonderes Projekt der Werkstatt wird in Kooperation mit der Go-Kart-Bahn in xy durchgeführt. Hierbei geht es um die Wartung von Go-Karts und ggf. sogar um die Wiederherstellung beschädigter Fahrzeuge, die somit möglicherweise in den Besitz des Projekts Baderstraße übergehen können.

Die Werkstatt versteht sich in besonderem Maße auch als ein Angebot für die BewohnerInnen des Betreuten Wohnens, die somit auch an der Verbesserung ihrer Wohnbedingungen arbeiten können (Reparatur von Möbeln etc.).

Erlebnispädagogische Angebote auf dem Freigelände neben dem Haus (Kletterwand, Beach-Volleyball)

Zwischen dem Haus Baderstraße 11 und dem Jahn-Gymnasium befindet sich ein großes Freigelände, das sich im Besitz der Sparkasse befindet und z.Zt. als Park­platz genutzt wird. Zum Jahresende wird diese Fläche freigeräumt werden. Es ist ge plant, sie für pädagogische Zwecke im Rahmen der offenen Jugendarbeit zu nutzen.

In Zusammenarbeit mit anderen freien Trägern, Schulen der Umgebung, Vereinen, der Jugendfeuerwehr und sonstigen Initiativen wurde die Idee geboren, auf diesem Gelände einen öffentlichen Raum zu schaffen, auf dem Jugendliche der Hansestadt “Trendsportarten” ausüben können. Ein übergreifender Arbeitskreis, in dem vor allem auch der Sportbund Greifswald eine wesentliche Rolle spielt, plant insbesondere die Einrichtung einer Kletterwand, an der unter sportlicher und pädagogischer Anleitung das Klettern gelernt und geübt werden kann.

Klettern hat sich mehr und mehr als eine der wesentlichen erlebnispädagogisch wirkungsvollen Methoden der Jugendarbeit herausgestellt. Der Grund dafür liegt darin, daß beim Klettern einerseits Mut, Disziplin und Körperbeherrschung verlangt werden und andererseits ein Erfolgserlebnis mit relativ geringer “Vorbildung” zustan de kommt. Klettern erzeugt ein “Hochgefühl”, das dem Konsum von Drogen oder dem Fahren mit schellen Fahrzeugen vergleichbar ist, ohne jedoch die negativen, weil illegalen, Nebenfolgen zu haben. Da Klettern auch immer “Sichern” einschließt, kommt ihm zudem eine große Bedeutung für die Entwicklung eines Gefühls von zwischenmenschlicher Verantwortung zu.

Klettern in Greifswald kann sich als eine integrative Kraft für unterschiedlichste Zielgruppen in Greifswald erweisen. Es werden nicht nur Jugendliche aus der unmittelbaren Nachbarschaft, den Schulen und der Jugendhilfe angesprochen, sondern darüber hinaus Mitglieder der Jugendfeuerwehr, der Sportvereine und auch der Universität.

Es ist geplant, ein pädagogisches Gesamtkonzept für die Nutzung der Kletterwand zu entwickeln, das nicht nur die Sicherheitsregeln umfassen wird, sondern auch Fragen des Umgangs miteinander einschließt. Die Erarbeitung dieser Regeln wird nicht nur unter primär zielorientierten Aspekten verlaufen, sondern auch Aspekte der sozialen Entwicklung, also der Übernahme einer sozialen Perspektive umfassen. Hierbei werden gruppenpädagogische Konzepte, z.B. das Konzept der “Gerechten Gemeinschaften” zum Tragen kommen.

Für die Realisierung der erlebnispädagogischen Projekte als Teil der offenen Jugendarbeit und besonders für den Aufbau der “Kletterwand” wird der VSP als koordinierender Träger einen Förderantrag bei der Stiftung “Jugendmarke” stellen, um so die notwendigen Sachkosten sowie die Kosten für Dokumentation und Auswertung bestreiten zu können. Personell soll die Planung, fachliche Koordination und Leitung in der Aufbauphase des Projekts durch eine ABM-Stelle sichergestellt werden, die der VSP bei der Bundesanstalt für Arbeit beantragen wird.

Neben der Kletterwand soll auf dem Freigelände noch ein Beach-Volleyball-Platz eingerichtet werden, auf dem u.a. Turniere der unterschiedlichen Nutzer durchgeführt werden können. Einladungen an andere Jugendprojekte aus der Region und darüber hinaus fördern Identitätsbildung der Nutzer der offenen Jugendarbeit. Ein fester Grillplatz, für den ebenfalls noch Platz auf der Freifläche ist, kann zum Kristallisationspunkt für kleine Feste werden.

Sonstige Projekte wie Wochenendfreizeiten oder Ferienfahrten

Für die Teilnehmer und Nutzer der offenen Jugendarbeit und die Bewohner des Betreuten Wohnens finden mehrfach im Jahr gemeinsame Wochenendfreizeiten und ggf. Ferienfahrten statt. Einmal im Jahr wird gemeinsam mit den Kooperations partnern ein Straßenfest veranstaltet, bei dem Offene Jugendarbeit als Forum für jugendpolitische Einflußnahme genutzt wird. Mit den Freizeitmaßnahmen und den Festen erweist sich die offene Jugendarbeit zusätzlich als integrative Kraft, weil sie alle in Kooperation mit anderen Initiativen, Vereinen u.ä. durchgeführt werden sollen und somit für immer neue Zielgruppen offen sind.

Konzept „Kletterwand“

Klettern als pädagogisches Medium

Über das Klettern als erlebnispädagogische Methode ist in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Veröffentlichungen erschienen (vgl. z.B. CSIKSZENTMIHALYI,M.: Das Flow-Erlebnis; Stuttgart 1985, ANTONY,P. / HERKERT,G.: Breschen in die Monotonie schlagen; Frankfurt 1995, KÖLSCH, H. / WAGNER, F-J. Erlebnsipädagogik in Aktion, Neuwied 1994, HECKMAIR,B. / MICHL, W.: Erleben und Lernen, Neuwied 1996).

Besonders die folgenden pädagogisch wünschenswerten Aspekte werden weitgehend einheitlich hervorgehoben: Klettern

  • wirkt persönlichkeitsbildend v.a. im Sinne von Steigerung des Selbst- und Fremdvertrauens. Zugang zu eigenen Gefühlen wird erleichtert, Erfolgserlebnisse sind schnell zu erlangen, ohne dass sich auch bei vielfacher Wiederholung Gewöhnungseffekte ergeben
  • ist aggressionshemmend, Kraft und Einsatzwillen werden in sozial erwünschter Weise kanalisiert
  • ist suchtpräventiv, vor allem durch den eigenständigen rauschähnlichen Zustände, die erreicht werden, ohne dass chemisch wirksame Substanzen konsumiert werden
  • kann therapeutisch eingesetzt werden, wenn mangelndes Selbstwertgefühl und gering ausgebildetes Selbstvertrauen zu sozial abweichenden Verhaltensweisen geführt haben
  • fördert soziales Verantwortungsgefühl und Beziehungsfähigkeit durch die Einheit von Klettern und Sichern (Supporting)
  • ist sozial integrativ und fördert Gemeinsinn. Klettern verlangt gemeinschaftliche Aktivität
  • ist voraussetzungsarm, da vor allem beim Abseilen nur wenige sportliche körperliche Voraussetzungen gegeben sein müssen. Klettern ist auch mit geistig und körperlich behinderten Menscchen möglich
  • fördert soziale Kontakte, da Kleingruppenbildungen notwendig sind, die gemeinschaftlich eine signifikante Aufgabe zu lösen haben
  • ist auch insofern voraussetzungsarm, als nach Beherrschung der Grundtechniken nahezu überall (in freier Natur, an speziellen Kletterwänden, an geeigneten Gerüsten) und zu jeder Zeit geklettert werden kann
  • ist netzwerkfähig, da es eine bundesweite Kletterszene gibt, die sich trifft und besucht
  • kann auch sportlich und wettbewerbsbezogen praktiziert werden, wodurch auch ein Bewußtsein sozial kontrollierter Rivalität ausgebildet wird.

Vor dem Hintergrund dieser positiven Optionen liegt es nahe, das Klettern in den Mittelpunkt einer sozialraumbezogenen offenen Jugendsozialarbeit zu stellen.

Das Kletterwandprojekt

In Zusammenarbeit mit anderen Trägern und sonstigen Initiativen wurde die Idee geboren, an einer hohen Brandmauer in der Mitte der Stadt Greifswald (Baderstraße) eine Kletterwand einzurichten, an der unter sportlicher und pädagogischer Anleitung das Klettern und Abseilen gelernt, geübt und praktiziert werden kann.

Folgende Wirkungen lassen sich von dem Projekt erwarten:

Integration und Kooperation

"Klettern in Greifswald" ist hat schon vor seiner Praxis eine integrative Kraft entfaltet. Unterschiedliche Vereine, Initiativen, Gruppierungen (Jugendamt, Schulen, Jugendfeuerwehr, Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung, offene Jugendhilfe-Einrichtungen, Sportvereine, Teile der Universität und der Studentenschaft etc.) haben sich zu einem Planungsgremium zusammengeschlossen, um ein Projekt "Klettern in Greifswald" zu konzipieren und zu realisieren. Der VSP soll Trägerschaft und koordinierende Gesamtverantwortung übernehmen.

Zielgruppe des Kletterprojekts sind alle Jugendlichen in der Stadt Greifswald. Schwerpunktmäßig sollen aber besonders Jugendliche angesprochen werden, die zu sog. Problemgruppen (Jugendhilfe) gehören. Dies wird dadurch sichergestellt, dass es eine enge Vernetzung einerseits mit Projekten, die im Zusammenhang mit dem "Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt" entstanden sind und andererseits mit Projekten, die Hilfen zur Erziehung durchführen.

Andererseits sichert die Einbeziehung der anderen Initiativen und Träger (Schulen, Jugendfeuerwehr, Sportvereine etc.), dass gegenseitige Unterstützungspotentiale eingebracht werden und die zu errichtende Kletterwand auch quantitativ ausgelastet werden kann. Es ist beabsichtigt, die fachliche ( = klettertechnische) und pädagogische Verantwortung durch ein Gremium unterschiedlicher Gruppen wahrzunehmen.

Regionale und überregionale Vernetzung

Das Projekt "Kletterwand strebt eine Wirksamkeit im Großraum Greifswald sowie überörtliche Vernetzung an. Dies wird durch zweierlei Strategien sichergestellt: Zum einen ist der VSP aktives Mitglied im bundesweiten Modellverbund INTEGRA, der Einrichtungen, die flexible Erziehungshilfen durchführen organisiert. Mitglieder von INTEGRA gelten als "geborene" überregionale Nutzer. Ebenso bestehen Kooperationsbeziehungen zu anderen Jugendhilfe-Einrichtungen über die Mitgliedschaft in der IGfH.

Wünschenswert wären Treffen und Austausch der Nutzer auch mit Anbietern anderer erlebnispädagogischer Maßnahmen. Um dies zu ermöglichen, wird der VSP Mitglied im Bundesverband Erlebnispädagogik werden.

Die Nutzung der Kletterwand durch Jugendliche aus dem Großraum Greifswald wird durch Pressearbeit und die Breitenirkung der beteiligten Initiativen angesteuert.

Das pädagogische und das Nutzungskonzept

Das Projekt ist - wie oben erwähnt - darauf angelegt, von unterschiedlichen Zielgruppen genutzt zu werden. Wie und mit welchen pädagogischen Intentionen die unterschiedliche Nutzer die Kletterwand nutzen wollen, soll ihnen selbst überlassen werden, wodurch eine maximale Variabilität sichergestellt werden kann. Nur unter dieser Bedingung wird die Leistungsfähigkeit der Kletterwand entfaltet. So kann sie beispielsweise unter therapeutischen Gesichtspunkten, unter sportlichen Gesichtspunkten, als Mittel der Drogenprävention oder unter Gesichtspunkten aktiver Freizeitgestaltung genutzt werden.

Von den verschiedenen Nutzern wird neben der Beachtung der Regeln allein erwartet, dass insgesamt eine pädagogische Reflexion erfolgen kann, die zum Bestandteil des Erfahrungstransfers (s.u.) werden soll.

Wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Konzepts ist es, dass die verschiedenen Nutzer sich in lebendigem Diskurs aufein Rahmenkonzept für die Nutzung der Kletterwand zu verständigen, das nicht nur die Nutzungs- und Sicherheitsregeln umfassen wird, sondern auch Fragen des Umgangs miteinander einschließt.

Die Erarbeitung dieser Regeln wird nicht allein unter zielorientierten Aspekten verlaufen, sondern auch Aspekte der sozialen Entwicklung, also der Übernahme einer sozialen Perspektive umfassen. Hierbei werden gruppenpädagogische Konzepte, z.B. das Konzept der „Gerechten Gemeinschaften“ zum Tragen kommen. (In einem moderierten Diskussionsverfahren werden solche Regeln des Zusammenwirkens ermittelt, die für alle Nutzer "die besten" sind. Der Diskussionsprozess über die Regeln erzeugt die freiwillige Bindung an die Regeln und die Akzeptanz gegenüber Sanktionen bei Regelverstössen).

Dieses Nutzungskonzept wird festlegen, wer wann und unter welchen Bedingungen die Kletterwand nutzen kann und soll. Gebühren sollen nur auf Selbstkostenniveau erhoben werden (Ersatzbeschaffung von Equipment).

Die Sicherheitsregeln dagegen werden nicht zur Diskussion gestellt, sondern sich an einschlägigen Vorschlägen des Deutschen Alpenvereins orientieren und sie ggf. überschreieten.

Es ist beabsichtigt, die Kletterwand langfristig in die Jugendhilfeplanung der Stadt Greifswald einzubinden. Dabei soll das Klettern eine wichtige Rolle im Rahmen der offenen Jugendarbeit spielen und entsprechend personell bedacht werden. Kurzfristig soll eine ABM-Stelle geschaffen werden, die - bei Einbindung in die Personalstruktur des VSP - die Aufgaben der Projektkoordination übernehmen soll. Sie wird - wenn möglich - mit einem Sportlehrer besetzt.

Dem Projektkoordinator obliegt es, mit den beteiligten Initiativen und Trägern sowie den Nutzern das oben angesprochene Regelwerk zur Nutzung zu erarbeiten sowie das notwendige Material (Seile, Haken, Klettergerät etc.) zu beschaffen, zu verwalten und für dessen für den sicherheitstechnisch unbedenklichen Zustand zu sorgen. Die Kletterwand als solches wird sicherheitstechnisch vom TÜV überwacht.

Die Aufsicht beim Klettern übernehmen in der Regel qualifizierte und dazu berechtigte Mitglieder der Greifswalder Sektion "Klettern" des DAV. Sie werden kontinuierlich überwacht und erhalten zeitlich begrenzt gültige Zertifikate.

Projekt „Ausweg“

Projekt „Ausweg“ - Pädagogischer Ansatz

Hilfen für junge Straffällige

In Kooperation mit den Abteilungen Jugendgerichtshilfe der Jugendämter Greifswald und Ost Vorpommern, den Grone Bildungszentren als Bildungsträger sowie anderen freien Trägern betreibt der VSP in Greifswald ein Projekt für erheblich straffällig gewordene junge Menschen zur Vermeidung / Verkürzung von U-Haft.

Im Rahmen dieses Konzepts übernimmt der VSP einerseits eine Clearing-Funktion und andererseits - nach Bedarf - auf die längerfristige Unterbringung in einer betreuten Wohnform. Im Verlauf der Clearingphase wird eine umfassende sozialpädagogisch-kriminologische Anamnese erhoben ausserdem erfolgt schnellstmöglich eine Eingliederung in eine schulische / berufliche Bildungsmaßnahme

Das Projekt „Ausweg“ folgt konzeptionell der Erkenntnis, dass U-Haft-Vermeidung dann Erfolg beschieden ist, wenn

  • sozialpädagogische Förderung systematisch strukturiert wird
  • sie mit schulischer / berufsschulischer Bildung verknüpft wird
  • praktische berufliche Vorbereitung (Training) zielgruppenorientiert geplant wird und für die Klienten die Teilnahme an beruflichen Fördermaßnahmen verpflichtend ist und
  • diese drei Handlungsbereiche miteinander verknüpft werden

Mit Blick auf die systematisch strukturierte sozialpädagogische Förderung stellt der VSP einen verbindlichen Tagesablauf sicher, der Programm und direkte personale Aufsicht zwischen 6.00 und 24.00 Uhr beinhaltet. Einerseits wird im Rahmen dieses Programms ein verbindliches Regelwerk durchgesetzt und eingehalten, andererseits behalten die Klienten von Ausweg die Eigenverantwortung für ihre Verhalten. Regelverstöße werden entsprechend dem Gericht mitgeteilt, so dass in dieser Hinsicht durch ein Gericht festgestellt wird, ob die Voraussetzung für die Substitution von U-Haft noch gegeben sind.