KJWG | Kinder- und Jugendwohngruppe

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  Kinder- und Jugendwohngruppe: Lessingstraße 19 | 17489 Greifswald

  Telefon: 03834 / 503088 - Telefax: 03834 / 898510

  eMail: wohngruppe.greifswald@vsp-mv.de
  eMail: info.greifswald@vsp-mv.de

  AnsprechpartnerInnen:
  Silvia Behm, Alexander Brust

Rahmenbedingungen und Bedarf

Immer wieder zeigt sich, daß eine angemessene Betreuung und Förderung von Kin­dern und Jugendlichen im elterlichen Haushalt nicht gewährleistet und somit eine Inobhutnahme erforderlich ist Damit dies nicht als Einweisung in speziell darauf ausgerichtete (Kinder-) Heime zu geschehen braucht, bemüht sich die Jugendhil­festation Greifswald um die Anmietung von geeigneten Räumlichkeiten, in denen kleine, familienähnliche strukturierte Wohngruppen mit geringer Platzzahl eingerichtet werden können.

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Die MitarbeiterInnen der Wohngruppe


Nach § 34 KJHG kann eine Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagsleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördem. Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen

  • eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
  • die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
  • eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten.

Im Zuge der Ende der 60er Jahre einsetzenden Kritik an der traditionellen Heimer­ziehung wurde unter anderem auch der Auf- und Ausbau von Kleinstheimen (bzw. "Kinderhäusern") mit dem Ziel einer familienorientierten Ausgestaltung des pädagogischen Milieus gefordert. Letzteres entspricht sowohl den Empfehlungen des Kultusministeriums des Lan­des Mecklenburg-Vorpommem als auch den Vorstellungen des Landesjugendam­ts. So wurde vom Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommern in den Richtlinien zur Förderung sozial­raumorientierter Angebote der Kinder- und Jugendhilfe- ausdrücklich und program­matisch das Ziel formuliert, ein leistungsfähiges Netz von Kleinsteinrichtungen zur Unterbringung über Tag und Nacht mit familienähnlichem Charakter zu entwickeln. In diesem Zusammenhang beziehen wir uns explizit auch auf den uns vom Jugend­amt der Hansestadt Greifswald angezeigten Bedarf, eine Gruppe von 6 Heimkindern in einer familienähnlich betreuten, altersübergreifenden Wohngruppe unterzubrin­gen.

Gestaltungselemente und Funktionen

  • 3 pädagogische Fachkräfte (männliche und weibliche MitarbeiterInnen) sind alleinige Bezugspersonen für die Kinder
  • Von den MitarbeiterInnen werden sämtliche Tätigkeiten. die auch im Rahmen eines traditionellen Familienverbandes anfallen, insbesondere hauswirtschaftliche Arbeiten (Kochen. Waschen. Reinigung der Räume etc.) ausgeführt
  • Eine Kontinuität in der Betreuung wird insofern gewährleistet, als die MitarbeiterInnen jeweils über mehrere Tage (und Nächte) am Stück in der Wohn­gruppe anwesend sind, so daß dem Bedürfnis der Kinder Rechnung ge­tragen wird, sich an festen Bezugspersonen orientieren zu können
  • Es wird sehr alltagsorientierte und lebensweltnahe Betreuung durchgeführt, das heißt insbesondere, daß die bestehenden Lebensweltbezüge möglichst weitgehend erhalten bleiben sollen. vor allem die existierenden sozialen Kon­takte (zu Eltern, Geschwistem und Freunden), die bestehenden Einbindungen in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen (Kita, Schule, Vereine) sowie die Kontakte zu Ärzten, Therapeuten. Fördereinrichtungen etc.
  • Die Ausgestaltung des Tagesablaufes wird unter Einbeziehung aller Famili­enmitglieder gewährleistet, dass heißt, daß die Kinder/Jugendlichen mit in die Haushaltsführung (Einkäufe, Essenzubereitung, Reinigung etc.) eingebunden und bei der Planung und Organisation der Freizeitgestaltung aktiv beteiligt wer­den
  • Im Rahmen der Betreuung einer kleinen Gruppe von Kindern/Jugendlichen werden Möglichkeiten geschaffen, um gezielt auf die individuellen Bedürf­nisse, Wünsche und Interessen des Einzelnen einzugehen
  • Gezielte, das heißt am individuellen Bedarf orientierte und häufig in der Vergan­genheit vernachlässigte Versorgungsmaßnahmen, Heilbehandlungen und Therapien werden eingeleitet und durchgeführt
  • Freiräume werden geschaffen, die spontanes und kreatives Handeln ermöglichen und fördern

Zusätzlich zu den hier genannten Funktionsbereichen. die sich direkt aus der For­derung nach familienähnlich strukturierten Lebensbedingungen ableiten lassen (und die somit auch charakteristisch sind für funktionierende "natürliche" Familien­verbände), ergeben sich für die MitarbeiterInnen einer Kleinsteinrichtung eine Rei­he von Aufgabenbereichen, die über das hinausgehen, was in einer natürlich ge­wachsenen Familie zu leisten ist. Sowohl im Falle der Übernahme von Kindern (und Jugendlichen) aus Einrichtun­gen der Heimerziehung als auch im Falle einer Inobhutnahme (Herausnahme aus der Herkunftsfamilie) soll - "entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen" (§ 34 SGB VIII - KJHG) - eine Vorbereitung auf die weitere Perspektive geleistet werden. Letzteres betrifft die drei auch im SGB VIII (KJHG) genannten Möglichkeiten:

- Rückführung in die (Herkunfts-) Familie,
- Integration in eine andere Familie (Pflegefamilie) oder
- Entlassung in eine mehr oder weniger selbständige Lebensform.

Eine gezielte Vorbereitung, insbesondere auf die Integration in eine Pflegefa­milie, sollte dabei nicht ausschließlich in Form von vorbereitenden Gesprächen, sondern vor allem auch in Form von Besuchskontakten, gemeinsamen Freizeitunternehmungen etc. erfolgen, um einen abrupten, mit erneuten Bezie­hungsabbrüchen einhergehenden Wechsel der Bezugspersonen zu vermeiden.

Ähnlich wie bei der Erziehung in einer Tagesgruppe (§ 32 SGB VIII - KJHG) impliziert auch die Betreuung in einer familienähnIich strukturierten Kleinsteinrichtung eine flan­kierende Elternarbeit (Verbesserung und Stabilisierung der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern) - soweit dies im Einzelfall möglich ist. Damit die Kinder und Jugendlichen im Spannungsfeld zwischen Herkunftsfamilie und Fremdunterbringung (Heim, Kinder- und Jugendwohngruppe) ihre Orientierung finden können, müssen die Bezüge zur Herkunftsfamilie hergestellt, aufrecht­erhalten, gepflegt und - nach Möglichkeit - positiv entwickelt werden.

Der Wunsch der Kinder nach Aufrechterhaltung der Kontakte zu Bezugsperso­nen im familiären Umfeld (Eltern, Geschwister, Verwandte) wird somit akzeptiert und unterstütztes Ziel ist dabei, die Verarbeitung von Trennungserlebnissen und die Neubewertung der Beziehungen zu den Eltern (etc.) zu ermöglichen. Kon­kret kann die Elternarbeit durch vielfältige Formen der (gegenseitigen) Information und Kooperation verwirklicht werden (gemeinsame Aktivitäten, wechselsei­tige Einladungen etc.).

Ausgehend von der Annahme, daß die für eine Aufnahme in die Kinder- und Jugendwohngruppe in Frage kommenden Kinder (und Jugendlichen) einem mehr oder weniger stark ausgeprägten pädagogischen Mangelmilieu entstammen und somit vermutlich eine Reihe von zu kompensierenden Entwicklungsrück­ständen aufweisen, ergibt sich für die MitarbeiterInnen der Wohngruppe als zu­sätzlicher Betreuungsschwerpunkt. im Einzelfall die Notwendigkeit intensiver sozial- und heilpädagogischer Fördermaßnahmen (im Sinne therapeutischer Interventionen) zu berücksichtigen.

Letzteres bezieht sich natürlich auch auf möglicherweise existierende Verhal­tensauffälligkeiten und dissoziale Verhaltenweisen, die gehäuft als Folge von Beziehungs- und Zuwendungsdefiziten, Mißhandlungen, Demütigungen, Gewal­terlebnissen, rigider Unterdrückung und/oder allgemeiner erzieherischer Ver­nachlässigung auftreten. Da die Wohngruppe eine möglichst weitgehende Alltagsorientierung (s.o.) gewährleisten soll, muss - bei Bedarf - in jedem Einzelfall überlegt werden, inwieweit diese zusätzlichen therapeutisch orientierten Maßnahmen intern von den Mitarbeiterinnen selbst, oder aber von exter­nen, spezialisierten Fachkräften (Ärzten, Psychotherapeuten, Logopäden etc.) realisiert werden können (und sollen). Da es aus unserer Sicht jedoch vorteilhaft wäre, wenn zumindest ein Teil dieses zu erwartenden Bedarfs im Kontext der Wohngruppe selbst abgedeckt werden könnte, sind wir bemüht, neben MitarbeiterInnen mit einer erzieherischen Ausbil­dung zumindest auch eine Fachkraft zu beschäftigen, die eine heilpädagogische Ausbildung absolviert hat - und möglichst auch entsprechende Berufserfahrun­gen mit einbringt.

Organisatorische Umsetzung der inhaltlich-konzeptionellen Vorstellungen

Räumlichkeiten

Das End-Reihenhaus in der Lessingstraße 19 in Greifswald eignet sich aus unserer Sicht hervorra­gend für die Unterbringung und Betreuung von 6 Kindern / Jugendlichen in einer familienähnlich strukturierten Wohngruppe, da das Haus einerseits dem räumlichen Bedarf entspricht und an­dererseits auch eine optimale Lage aufweist.

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Eingangsbereich

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Flur zu den Zimmern

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Wohn- und Essbereich

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Einzelzimmer

So befinden sich in der unmittelbaren Nahe des Hauses sowohl die erforderlichen Bildungseinrichtungen (Kita, Schulen) als auch diverse Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindungen. Außerdem existiert ein großes Außengelände, das nicht nur den spezifischen Interessen und Bedürfnissen der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen entspre­chen würde (Spiel, Sport und Freizeit), sondern auch eine integrierte Mitnutzung von Kindern aus dem unmittelbaren Wohnumfeld ermöglicht (Vermeidung von Isolierung und Stigmatisierung).

  1. Die Räume eignen sich aus unserer Sicht sehr gut für die Unterbringung von Bezugspersonen aus dem familiären Umfeld der Kinder im Rahmen von Besuchskontakten (Elternarbeit s.o.) sowie auch für die besuchsweise Unterbringung von zukünftigen Pflegepersonen - im Rahmen der o.g. Bemühungen, Kinder auf die Integration in einer Pflegefamilie vorzubereiten.
  2. Alternativ können diese Räumlichkeiten jedoch bei Bedarf bzw. nach Wunsch auch älteren Kindern bzw. Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden, die so die Möglichkeit haben, einen von den kleineren Kindern separierten Wohnbe­reich zu nutzen. Dies hat insbesondere den Vorteil, daß einerseits die mehr „jugendgemäßen" individuellen Gestaltungswünsche, andererseits aber auch all­gemein die veränderten, altersadäquaten Bedürfnisse und Interesse (Mu­sik, Freunde etc.) verstärkt Berücksichtigung finden könnten.

Personal

Die Zusammensetzung der in der Kinder- und Jugendwohnung tätigen MitarbeiterInnen sollte geschlechtsgemischt sein, um zu gewährleisten, daß alle BewohnerInnen die Möglichkeit haben. die für identitätsstiftende Prozesse erforderlichen ge­schlechterrollenspezifischen Lernerfahrungen zu machen. Außerdem ergeben sich auf diese Weise zusätzliche Möglichkeiten der Projektion und Übertragung, denen ein quasi therapeutischer Stellenwert zugeschrieben werden kann.

Die MitarbeiterInnen sollten über eine pädagogische Grundqualifikation verfügen, d. h. möglichst einen Berufsabschluß als Erzieher / Erzieherin nachweisen können sowie - nach Möglichkeit - einschlägige Berufserfahrungen im Bereich der Betreu­ung von Kindern und Jugendlichen. Wünschenswert wäre außerdem, daß zumindest ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbei­terin eine Zusatzqualifikation als Heilpädagoge / Heilpädagogin oder eine andere therapeutische Ausbildung (z.B. Spiel- oder Bewegungstherapie) mit einbringt (s.o.).

Die Fachlichkeit der in der Wohngruppe tätigen MitarbeiterInnen wird weiterhin durch gezielte kontinuierliche Fortbildung sowie durch Praxisbegleitung und Fallbesprechungen im Rahmen der regelmäßigen Teamsitzungen in der Jugend­hilfestation sowie durch die Teilnahme an der (externen) Supervision gewährleistet.

Die enge Einbindung in das Team der Jugendhilfestation verhindert einerseits ein Abgleiten in die (fachliche) Isolation und gewährleistet andererseits auch eine breit angelegte Unterstützung durch das Team im Bedarfsfall (Beschaffung, Orga­nisation etc.).

Arbeitszeiten

Die MitarbeiterInnen leben - im Wechsel - jeweils für drei Tage (und Nächte) mit den Kindern und Jugendlichen zusammen, d.h. sie sind für diese Zeit "allzuständig“. Sie erledigen alle in diesem Zeitraum anfallenden Aufgaben, verbringen mit den Kindern zusammen den Alltag und die Freizeit und schlafen auch in der Wohnung - in einem Raum, der speziell als Erzieherzimmer (Büro & Schlafraum) eingerichtet ist.

Abgesehen von den jeweils stattfindenden Dienstübergaben (i.d.R. über mehrere Stunden) finden in regelmäßigen Abständen Teamsitzungen statt, in denen ge­meinsam über anstehende Aktivitäten, erzieherische Fragen etc. reflektiert wird.
Auf die Teilnahme an den regelmäßig stattfindenden Teambesprechungen der MitarbeiterInnen der Jugendhilfestation wurde an anderer Stelle bereits hinge­wiesen. An größeren Freizeitaktivitäten (Ausflüge, Feste etc.) sowie an Urlaubsfahrten (z.B. in den Schulferien) beteiligen sich nach Möglichkeit zwei bzw. alle drei Mitarbei­terInnen.

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Küche

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Badezimmer